Archive for the ‘Bewußter Konsum’ Category

Besuch beim Rat für nachhaltige Entwicklung

Tuesday, November 18th, 2008

Liebe Freunde,

Am Montag war ich in Berlin beim Rat für nachhaltige Entwicklung (RNE), der unter dem Motto “Zukunft verantworten” stand. Der RNE wurde 2001 erstmals von der Bundesregierung berufen, Die Aufgaben des Rates sind die Entwicklung von Beiträgen für die Umsetzung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, die Benennung von konkreten Handlungsfeldern und Projekten sowie Nachhaltigkeit zu einem wichtigen öffentlichen Anliegen zu machen. Bei der Veranstaltung nahmen neben den Ratsmitgliedern noch Vertreter von Politik, Wirtschaft und NGO’s teil. Insgesamt waren mehr als 1000 Teilnehmer gekommen.

Natürlich stand die gegenwärtige Wirschaftskrise und deren mögliche Auswirkungen auf Investitionen rund um das Thema Nachhaltigkeit immer wieder im Mittelpunkt. Die Botschaft des Rates hier war klar. Die Krise darf keine Ausrede sein, um die Nachhaltigkeitsziele, wie z.B. im Kyoto Protokoll festgelegt, nicht erfüllen zu müssen.

Es gab unter anderem auch eine Podiumsdiskussion mit dem Titel: “Wandel durch Konsum: Utopie oder Realität?”, die natürlich sehr gut auch zu unserer Gruppe hier paßt. Warum das als Frage forumuliert war, ist mir nicht so ganz klar, denn es ist ziemlich offensichtlich, daß Konsum in jedem Fall Wandel erzeugt, die Frage ist nur, Wandel wohin. Jede Kaufentscheidung wird von Marktforschern wie GFK und den Produzenten genau analysiert. Daraus wird versucht Trends abzuleiten, die dann letztlich wesentlich mit beeinflußen, wo Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsgelder fließen. Leider war die Diskussion nicht sehr fruchtbar, was sicherlich auch an der schwachen Moderation von Anja Reschke (bekannt vielleicht vom Politmagazin “Panorama”). Um die Diskussion zu starten, fragte sie beispielsweise Frau Dr. Zahrnt, Mitglied des Rates, ob es denn aus Nachhaltigkeitsgründen heraus sinnvoll gewesen war, daß sie am Wochenende selbst Apfelmus gekocht hat oder sie nicht besser Apfelmus im Supermarkt gekauft hätte. Leider wurde es auch im Laufe der Diskussion nicht viel besser. Spannend fand ich, das Claudia Langer, Gründerin von Utopia, sich dagegen wehrte, als sie als Vertreterin der LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) angesprochen wurde. Dabei ist Utopia und auch ihr ganz persönlicher Werdegang geradezu ein Musterdruck für den typischen LOHAS, wie ihn die Marktforscher definieren. Dabei finde ich, daß LOHAS endlich ehrlich damit umgeht, daß wir alle eben nicht perfekt sind, auch die nicht, die so tun! Wenn wir Perfektion verlangen, verlieren wir 95% der Bevölkerung auf dem Weg. Was wir aber sicherlich brauchen, ist schneller Fortschritt!

Leider war die Konferenz insgesamt nicht das, was ich erwartet hatte. Zuviel Podiumsbeschallung, zu wenig Aktion und am Ende keinerlei konkrete Beschlüße oder zumindest Ideen, was vom RNE neuer ausgehen könnte.

Klaus Töpfer war sehr erfrischend in seiner Art, wenngleich auch bei ihm keine wirklich konkreten Dinge angesprochen wurden und vielmehr altbekanntes neu formuliert wurde. Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt dann am Nachmittag einen Vortrag zur Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung, ehe sie eiligst ins Kanzleramt zurück mußte, um auch an der Opel Rettung beteiligt zu sein. Ich habe Frau Merkel zum ersten Mal live erlebt. Ihre Art ist sehr symphatisch und volksnah, allerdings war es inhaltlich ein blutleerer Vortrag ohne jegliche konkrete Aussagen, alles wurde irgendwie dann doch schön geredet oder zumindest die Schuld außen gesucht. So ist das wohl eben.

Am besten war dann wieder einmal das Netzwerken mit Gleichgesinnten und die Leutturmprojekte, die aus der Mission Sustainability des Rats für nachhaltige Entwicklung ausgewählt wurden, um sich den Teilnehmern im Foyer vorstellzustellen. Darunter gab es wirklich witzige und kreative Projekte wie z.B. das Projekt RAPucation, wo junge Rapper an Grundschulen mit RAP-Musik Lerninhalte vermitteln und das wohl sehr erfolgreich. Ihr könnt euch eines ihrer Lieder (Mutter Erde) hier anhören:
01-mutter-erde

Zusammenfassend läßt sich sagen, viel Prominenz, aufwendiger Event aber leider viel zu wenig Dialog und keinerlei konkrete Beschlüße, die wir als Teilnehmer gemeinsam erarbeitet und beschloßen hätten. Ich mir sicher, das ginge auch anders.

Eine gute Sache die dort verteilt wurde, war ein Einkaufsratgeber, den der RNE entwickelt hat. Dieser Ratgeber ist noch ein Entwurf und soll Konsumenten mit Rat und Tat beim Kauf zur Seite stehen soll. Einiges davon ist recht gelungen, anderes sicherlich noch verbesserungsbedürftig. Hier der Link, falls ihr euch davon inspirieren lassen wollt:

www.nachhaltiger-warenkorb.de

Zusammenfassend läßt sich sagen, es passiert viel allerorten. Auch Utopia hatte ja letzte Woche eine große Konferenz in Berlin. Immer Menschen erkennen, wie wichtig ein zukunftssichernder (gefällt mir besser als nachhaltiger) Lebensstil für uns alle ist. Allerdings komme ich für mich immer mehr zu dem Schluß, daß wir zuviel Konferenzen und Diskussionen organisieren und führen und zu wenig Kreativität in neue Handlungsansätze fließen lassen.  Genug Energie für einen spürbaren Wandel ist auf jeden Fall im Lande, noch ist die Energie aber noch kaum gebündelt, so daß die Kraft nicht in dem Maße spürbar ist, wie das aus meiner Sicht möglich wäre. Ich bin gespannt, was in den nächsten Monaten passieren wird. Die Welt ist in Bewegung, es fragt sich in welche Richtung?

Es wäre schön, eure Ideen und Gedanken zu diesem Beitrag kennenzulernen!

Es grüßt euch herzlich

Euer Frank

Mach den kleinen Unterschied – (ohn)Macht erzeugt Lähmung

Monday, November 3rd, 2008

Hallo Internet Community,
Vielleicht hat euch der Titel dieses Blogs ja neugierig gemacht!? Mach den kleinen Unterschied – (ohn)Macht erzeugt Lähmung ist ein Blog der ermutigen will, die eigene Ohnmacht abzustreifen, die so viele von uns spüren, wenn es um die komplexen Themen unserer Zeit geht: Umweltverschutzung, Armut, Fairer Handel…, alles Themen, für die jeder von uns mit verantwortlich ist, die aber vielen von uns komplex und äußerst schwierig erscheinen, uns ohnmächtig fühlen lassen!
Ohnmacht erzeugt Lähmung und genau das ist Industrie und Politik durchaus recht, denn wer sich (ohn)mächtig fühlt, der wird nicht aufbegehren, wird nicht handeln um Veränderung herbeizuführen!

Dabei gibt es überhaupt keinen Grund sich ohnmächtig zu fühlen! Ich glaube fest daran, daß Veränderung immer im Kleinen beginnt und daß jeder von uns der Ausgangspunkt einer solchen Welle sein kann. Jeden Tag haben wir die Möglichkeit viel kleine Unterschiede zu machen, die unsere Welt besser werden lassen.

Unser Konsum ist dabei aus meiner Sicht der wesentliche Hebel! Welche Kriterien sind für unsere Konsumentscheidungen wesentlich? Kaufen wir ausschließlich was billig ist? Ist es uns etwas wert, Produkte zu kaufen, die weder unsere Umwelt noch uns selbst auf Dauer krank werden lassen? Gestehen wir den Menschen, die die Produkte produzieren, die gleichen Rechte zu, die wir hier auch für uns fordern?

Unser Konsum entscheidet darüber wie produziert wird, was produziert wird und in welcher Qualität produziert wird und wofür Forschungsgelder in Industrie und Politik fließen! Unser Konsum entscheidet in der Summe unserer Einzelentscheidungen darüber, ob wir weiterhin mit hoher Geschwindigkeit daran arbeiten Natur und Mensch auszubeuten, bis nichts mehr übrig ist oder ob wir eine Umkehr finden, hin zu nachhaltigen Formen des Konsums.

Das fängt mit Information an! Wer infomiert ist, trifft bessere Entscheidungen, wer informiert ist, läßt sich nicht an der Nase herum führen, wer informiert ist, weiß auf jeden Fall wofür oder wogegen er sich entscheidet! Oft muß es gar nicht teurer sein, Produkte zu kaufen, die für Mensch und Natur gleichermaßen nützlich sind. Dabei gibt es meines Erachtens zwei Strömungen, die man/frau kennen und bei der Kaufentscheidung immer positiv mit berücksichtigen sollte:

1. Fairer Handel
Der faire Handel hat zum Ziel, gesunde Arbeitsbedingungen, gerechte Löhne und Sozialstandards in der Herstellung und im Verkauf eines Produktes mit zu berücksichtigen! Es gibt Siegel, die diese Kriterien überwachen und uns als Käufern als Orientierung dienen. Wer sich mehr zu diesem Thema informieren will, hier ein paar Links:
http://www.transfair.org/
http://www.forum-fairer-handel.de/

Es ist mir bewußt, daß für manchen unter uns, die Entscheidung für fair gehandelte Produkte auch eine finanzielle Frage ist! Jeder sollte hier tun, was er tun kann, denn letztlich dürfen wir uns nicht beschweren, wenn wir irgendwann selbst zu ausgebeuteten werden, wenn wir über Jahrzehnte sehenden Auges dieses Spiel unter dem “Geiz ist geil” Motte mitspielen. T-Shirts lassen sich eben nicht ökologisch und sozial verträglich für 5€ produzieren! Außerdem sind Preise auch immer abhängig von Mengen, also je mehr wir diese Produkte kaufen, desto geringer wird der Unterschied zu herkömmlichen Produkten werden, bis es dann eben nur noch die echten Mehrkosten für gesunde und gerechte Arbeitsbedingungen für uns alle gibt.

2. Bio-Siegel für gesunde oder besser ökologisch verträglichere Produkte
Von Bio sind wir deutlich leichter zu überzeugen, als vom fairen Handel, denn hier liegt der Nutzen für uns klar auf der Hand. Bio-Produkte helfen uns persönlich gesund zu bleiben und weniger Chemie in die Umwelt zu blasen. Mittlerweile hat die Bio Welle eigentlich alle großen Discounter erreicht und Bio Produkte sind überall erhältlich und daß auch zu Preisen, die es den meisten von uns möglich machen sollten, hier den kleinen Unterschied zu machen, für uns und unsere Umwelt. Allerdings sind die Kriterien dort bei weitem nicht so klar strukturiert wie im fairen Handel. Fast wöchentlich entstehen hier neue Siegel, da der Begriff Bio nicht geschützt ist.
Auch hier ein paar Links zum Thema:
http://www.bio-siegel.de/
http://www.novafeel.de/ernaehrung/bio-siegel.htm

Neuerdings wächst der faire Handel und Bio mehr und mehr zusammen, denn wirklich nachhaltig ist eigentlich nur die Kombination dieser beiden Kriterien.

Es finden sich eigentlich bei allen Produkten faire und ökologisch unbedenklichere Alternativen, sei es Kleidung, Reisen, Lebensmittel, Finanzdienstleistungen usw!

Unser Konsum ist eine große Macht und damit auch Verantwortung, die jedem von uns geschenkt ist.

Gepaart mit unserer Wählerstimme können wir darüber massiv Einfluß nehmen, wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt. Wir tun das so oder so, denn auch wenn wir einfach blind konsumieren treffen wir jeden Tag eine Entscheidung, in diesem Fall dann oft gegen eine Zukunft für uns alle!

Es geht hier nicht um den moralischen Zeigefinger, vielmehr möchte ich euch allen Mut machen, an die eigene Stärke zu glauben und euere Lebensbedingungen bewußt mitzugestalten

Macht den kleinen Unterschied, geht jeden Tag einen kleinen Schritt voran, auf dem Weg zu einer besseren Welt!

Es grüßt euch herzlich

FrankieTheB