Liebe Freunde,
Am Montag war ich in Berlin beim Rat für nachhaltige Entwicklung (RNE), der unter dem Motto “Zukunft verantworten” stand. Der RNE wurde 2001 erstmals von der Bundesregierung berufen, Die Aufgaben des Rates sind die Entwicklung von Beiträgen für die Umsetzung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, die Benennung von konkreten Handlungsfeldern und Projekten sowie Nachhaltigkeit zu einem wichtigen öffentlichen Anliegen zu machen. Bei der Veranstaltung nahmen neben den Ratsmitgliedern noch Vertreter von Politik, Wirtschaft und NGO’s teil. Insgesamt waren mehr als 1000 Teilnehmer gekommen.
Natürlich stand die gegenwärtige Wirschaftskrise und deren mögliche Auswirkungen auf Investitionen rund um das Thema Nachhaltigkeit immer wieder im Mittelpunkt. Die Botschaft des Rates hier war klar. Die Krise darf keine Ausrede sein, um die Nachhaltigkeitsziele, wie z.B. im Kyoto Protokoll festgelegt, nicht erfüllen zu müssen.
Es gab unter anderem auch eine Podiumsdiskussion mit dem Titel: “Wandel durch Konsum: Utopie oder Realität?”, die natürlich sehr gut auch zu unserer Gruppe hier paßt. Warum das als Frage forumuliert war, ist mir nicht so ganz klar, denn es ist ziemlich offensichtlich, daß Konsum in jedem Fall Wandel erzeugt, die Frage ist nur, Wandel wohin. Jede Kaufentscheidung wird von Marktforschern wie GFK und den Produzenten genau analysiert. Daraus wird versucht Trends abzuleiten, die dann letztlich wesentlich mit beeinflußen, wo Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsgelder fließen. Leider war die Diskussion nicht sehr fruchtbar, was sicherlich auch an der schwachen Moderation von Anja Reschke (bekannt vielleicht vom Politmagazin “Panorama”). Um die Diskussion zu starten, fragte sie beispielsweise Frau Dr. Zahrnt, Mitglied des Rates, ob es denn aus Nachhaltigkeitsgründen heraus sinnvoll gewesen war, daß sie am Wochenende selbst Apfelmus gekocht hat oder sie nicht besser Apfelmus im Supermarkt gekauft hätte. Leider wurde es auch im Laufe der Diskussion nicht viel besser. Spannend fand ich, das Claudia Langer, Gründerin von Utopia, sich dagegen wehrte, als sie als Vertreterin der LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) angesprochen wurde. Dabei ist Utopia und auch ihr ganz persönlicher Werdegang geradezu ein Musterdruck für den typischen LOHAS, wie ihn die Marktforscher definieren. Dabei finde ich, daß LOHAS endlich ehrlich damit umgeht, daß wir alle eben nicht perfekt sind, auch die nicht, die so tun! Wenn wir Perfektion verlangen, verlieren wir 95% der Bevölkerung auf dem Weg. Was wir aber sicherlich brauchen, ist schneller Fortschritt!
Leider war die Konferenz insgesamt nicht das, was ich erwartet hatte. Zuviel Podiumsbeschallung, zu wenig Aktion und am Ende keinerlei konkrete Beschlüße oder zumindest Ideen, was vom RNE neuer ausgehen könnte.
Klaus Töpfer war sehr erfrischend in seiner Art, wenngleich auch bei ihm keine wirklich konkreten Dinge angesprochen wurden und vielmehr altbekanntes neu formuliert wurde. Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt dann am Nachmittag einen Vortrag zur Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung, ehe sie eiligst ins Kanzleramt zurück mußte, um auch an der Opel Rettung beteiligt zu sein. Ich habe Frau Merkel zum ersten Mal live erlebt. Ihre Art ist sehr symphatisch und volksnah, allerdings war es inhaltlich ein blutleerer Vortrag ohne jegliche konkrete Aussagen, alles wurde irgendwie dann doch schön geredet oder zumindest die Schuld außen gesucht. So ist das wohl eben.
Am besten war dann wieder einmal das Netzwerken mit Gleichgesinnten und die Leutturmprojekte, die aus der Mission Sustainability des Rats für nachhaltige Entwicklung ausgewählt wurden, um sich den Teilnehmern im Foyer vorstellzustellen. Darunter gab es wirklich witzige und kreative Projekte wie z.B. das Projekt RAPucation, wo junge Rapper an Grundschulen mit RAP-Musik Lerninhalte vermitteln und das wohl sehr erfolgreich. Ihr könnt euch eines ihrer Lieder (Mutter Erde) hier anhören:
01-mutter-erde
Zusammenfassend läßt sich sagen, viel Prominenz, aufwendiger Event aber leider viel zu wenig Dialog und keinerlei konkrete Beschlüße, die wir als Teilnehmer gemeinsam erarbeitet und beschloßen hätten. Ich mir sicher, das ginge auch anders.
Eine gute Sache die dort verteilt wurde, war ein Einkaufsratgeber, den der RNE entwickelt hat. Dieser Ratgeber ist noch ein Entwurf und soll Konsumenten mit Rat und Tat beim Kauf zur Seite stehen soll. Einiges davon ist recht gelungen, anderes sicherlich noch verbesserungsbedürftig. Hier der Link, falls ihr euch davon inspirieren lassen wollt:
www.nachhaltiger-warenkorb.de
Zusammenfassend läßt sich sagen, es passiert viel allerorten. Auch Utopia hatte ja letzte Woche eine große Konferenz in Berlin. Immer Menschen erkennen, wie wichtig ein zukunftssichernder (gefällt mir besser als nachhaltiger) Lebensstil für uns alle ist. Allerdings komme ich für mich immer mehr zu dem Schluß, daß wir zuviel Konferenzen und Diskussionen organisieren und führen und zu wenig Kreativität in neue Handlungsansätze fließen lassen. Genug Energie für einen spürbaren Wandel ist auf jeden Fall im Lande, noch ist die Energie aber noch kaum gebündelt, so daß die Kraft nicht in dem Maße spürbar ist, wie das aus meiner Sicht möglich wäre. Ich bin gespannt, was in den nächsten Monaten passieren wird. Die Welt ist in Bewegung, es fragt sich in welche Richtung?
Es wäre schön, eure Ideen und Gedanken zu diesem Beitrag kennenzulernen!
Es grüßt euch herzlich
Euer Frank

